Kapitel 01 – Dieses Gefühl gehört nicht mehr ins Jetzt

Ich wache auf, noch bevor ich wirklich wach bin.
Es ist dieser Zustand. Der Körper ist schon da, aber der Geist noch nicht ganz.

Ein Schwebezustand. Wenn alles noch still ist.

Und doch ist da etwas.

Noch bevor ich die Augen öffne, spüre ich es.

Diese Enge in der Brust. Nicht schmerzhaft. Nicht bedrohlich.
Aber so präsent, dass ich sie nicht ignorieren kann.

Ich liege da und spüre, wie flach mein Atem ist. Es passiert einfach.

Ich versuche tiefer einzuatmen, aber der Atem scheint irgendwo hängen zu bleiben.
Also lasse ich ihn länger hinausfließen. Ganz ruhig. Ganz kontrolliert.

Das sollte helfen. Ich weiß das. Ich habe das gelernt.
Ich bringe anderen bei, wie sie atmen, wenn ihr Nervensystem Alarm schlägt.

Und trotzdem fühlt sich mein Herz an, als würde es mir bis in den Hals schlagen.

Ich öffne die Augen halb, greife nach dem Handy auf dem Nachttisch links neben mir. Dorthin, wo es immer liegt, eingesteckt in der Ladestation.
Eine Bewegung aus Gewohnheit. Fast reflexhaft.

Ich öffne die Oura-App, die meine Herzfrequenz misst, weil ich wissen will, ob mein Körper mir gerade etwas sagt. Ich will sicher sein: Ist das echt oder nur ein Gefühl?

Ich liege am Fenster. Neben mir schläft er.

Die Männer liegen näher am Ausgang, heißt es. Ein alter Instinkt. Ein Beschützen.

Ich mag diese Vorstellung. Sie gibt mir Ruhe.

Ich liege in einem Bett, das sich so gut anfühlt, so bequem und weich.
Es riecht nach frischer Bettwäsche. 
Ein Bett, das ich mir selbst gekauft habe, direkt damals nach meiner Scheidung.  

Ich drehe den Kopf leicht und sehe ihn an. Er schläft ruhig.
Und selbst in diesem Schlaf spüre ich Liebe. Reine Liebe.
Ohne Spannung. Ohne Angst.

Und doch ist sie da. Diese Enge.

Ich frage mich fast laut, was das soll.

Warum jetzt? Warum hier? Warum, wenn doch alles gut ist?

Und dann ist da dieser stille Moment. Ganz leise. Fast unauffällig…
Warte mal, sagte ich mir selbst: Ich kenne dieses Gefühl.

Nicht theoretisch. Nicht aus Büchern. Nicht aus Gesprächen.

Ich kenne es körperlich. Ich kenne es aus meiner Kindheit.
Nicht aus einer bestimmten Szene, sondern aus einem Zustand.

Aus diesem Zusammenziehen in der Brust, wenn Angst im Raum war.
Angst vor jemandem, vor Etwas. Angst vor dem Ungewissen.

Ich sehe keine Bilder. Ich spüre nur das Gefühl. Genau dieses.

Und plötzlich: Ich kenne es aus Prüfungen.

Aus diesem Moment kurz davor, wenn alles still wird und der Gedanke auftaucht, noch bevor etwas passiert: Ich werde versagen.

Ich kenne es aus Augenblicken, in denen Wahrheit gefährlich war.
Aus der Angst vor Blicken. Vor Reaktionen. Vor Schlägen.

Aus der Angst zu lügen. Und aus der Angst, die Wahrheit zu sagen.

Mir wurde beigebracht, dass Glück nichts Sicheres ist.
Dass Glück etwas ist, das man hat, nicht etwas, das man ist.
Und dass man vorsichtig sein muss, wenn es einem zu gut geht.

Und irgendwo tief in mir hat sich dieser Satz festgesetzt: Ich darf nicht zu viel sein.

Ich kenne dieses Gefühl aus meiner Ehe.
Aus einem Leben, das oft nicht meines war.
Aus einem Alltag, in dem ich funktioniert habe.
Mich angepasst habe. Mich selbst kleiner gemacht habe.

Ich kenne es aus diesen Momenten, in denen plötzlich der Gedanke aufblitzt:
Was, wenn alles wieder weg ist?

Ich kenne es aus Tagen vor ungewissen Situationen.
Tage, an denen äußerlich nichts passiert, aber innerlich alles unter Spannung steht.

Ich kenne es sogar aus Momenten, in denen ich zu Hause bin und trotzdem kein Zuhause fühle.

Und während ich so daliege, wird mir langsam klar:
Dieses Gefühl gehört nicht hierher.

Nicht zu diesem Bett.
Nicht zu diesem Mann.
Nicht zu diesem Morgen.

Es ist alt.

Es ist ein Echo.
Ein Rest aus einer Zeit, in der ich nicht sicher war.
In der ich nicht sein durfte.
In der ich funktionieren musste, um zu überleben.

Und zum ersten Mal versuche ich nicht, es wegzumachen.
Ich analysiere es nicht.
Ich atme einfach hinein.

Ich sage mir nichts Beruhigendes.
Ich erkläre mir nichts.

Ich bin einfach da.

Und während ich da bin, passiert etwas ganz Leises.

Der Druck lässt nach. Nicht plötzlich. Nicht dramatisch.
Aber so, dass ich es merke.

Ich atme ein und der Atem kommt tiefer. Weiter.

Mein Herzschlag wird ruhiger.

Und irgendwo in diesem Raum, der gerade größer wird, höre ich etwas.
Keine Stimme von außen. Keine großen Worte.

Nur dieses stille Wissen:

Du hast mich gesehen.
Du hast zugehört.
Ich muss dich nicht mehr warnen.

Ich atme ein. Ganz. Frei.

Und zum ersten Mal an diesem Morgen weiß ich:
Dieses Gefühl ist okay, aber es gehört nicht mehr ins Jetzt!

Fortsetzung folgt 🤍

Svjetlana Berger

Hi ich bin SVJETLANA, die ruhige, klare Stimme hinter MOJ Holistic Health – ich liebe es, Körper, Gesundheit und Mindset so zu entwirren, dass es klick macht, ein Lächeln entsteht und Menschen Lust bekommen auf mehr Lebensfreude, echte Gesundheit und ein bewusstes, selbstverbundenes Leben.

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