Kapitel 03 – Ich bin nicht meine Geschichte

Ich denke nie darüber nach, wie ich heute wäre:
Wenn meine Kindheit eine andere gewesen wäre.
Wenn ich in einem anderen Land aufgewachsen wäre.
Wenn als Junge geboren worden wäre.

Diese Fragen tauchen in mir nicht auf. Nicht, weil ich sie verdränge.
Sondern, weil sie für mich keine Richtung haben. Sie führen nirgendwohin.

Was ich spüre, ist etwas anderes: Dankbarkeit.
Nicht die laute, inszenierte Dankbarkeit, sondern diese stille, tiefe Gewissheit:
Mir wurde Leben geschenkt. Und ich habe es behalten.

Dankbarkeit.
Nicht die laute, inszenierte Dankbarkeit, sondern diese stille, tiefe Gewissheit:
Mir wurde Leben geschenkt.

Ich habe überlebt. Nicht dramatisch. Nicht heroisch.
Einfach, weil mein Körper wusste, wie man bleibt.

Auch wenn ich vieles erlebt habe, was man so sehen könnte: Ich war nie ein Opfer.
Opfersein ist kein Zustand, der durch Ereignisse entsteht.
Es ist eine innere Haltung. Eine Entscheidung, die oft unbewusst getroffen wird.

Der Grat ist schmal. Sehr schmal.

Auf der einen Seite steht das Erkennen: Das ist mir passiert.
Auf der anderen Seite beginnt das Gefangensein: Das bin ich.

Zwischen diesen beiden Sätzen liegt ein ganzer Lebensweg.

Viele Menschen verwechseln ihn.
Sie bleiben stehen bei dem, was war.
Sie übersehen dabei, dass Leben immer nach vorne fließt.

Ich habe früh gespürt, dass meine Geschichte ein Teil von mir ist.
Aber nicht mein Mittelpunkt.

Ich habe gelernt, mich anzupassen.
Nicht im Sinne von Unterwerfung, sondern im Sinne von Wahrnehmung.

Anpassung war kein Verrat an mir. Sie war ein Werkzeug.

Ich habe gehört, bevor ich gesprochen habe.
Ich habe gespürt, bevor ich gehandelt habe.
Ich habe gelernt, Räume zu lesen, Stimmungen zu erfassen, Bewegungen vorherzusehen.

Das war keine Schwäche. Es war Intelligenz.
Körperliche, seelische, instinktive Intelligenz.

Im Schamanismus würde man sagen:
Die Seele verlässt den Körper nicht, wenn es schwierig wird. Sie bleibt wach.

Sie trennt sich nicht ab. Sie verschwindet nicht. Sie flieht nicht.
Sie beobachtet. Sie passt sich an. Sie wartet auf den richtigen Moment.

Das ist kein Verlust von Kraft, sondern ihr Schutz.

Die Seele weiß, wann sie sich zeigen kann.
Und wann es klüger ist, leise zu werden.

Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass mir etwas genommen wurde.
Ich habe eher das Gefühl, dass mir etwas mitgegeben wurde.

Ein feines Gespür. Ein tiefes Vertrauen in das Leben.
Eine innere Verbindung zu dem, was größer ist als ich.

Vielleicht, weil ich früh gelernt habe, dass nichts selbstverständlich ist.
Vielleicht, weil ich gespürt habe, dass Leben nicht perfekt sein muss.

Ich trage meine Geschichte nicht wie eine Last. Ich trage sie wie eine Landschaft.

Sie gehört zu mir. Aber ich wohne nicht in ihr.

Ich lebe.

Und dieses Leben ist nicht die Summe dessen, was war.
Es ist vielmehr das, was ich heute daraus mache.

Ich gehe weiter. Ohne mir etwas zu beweisen. Ohne das Gefühl, etwas nachzuholen.

Sondern, weil Leben Bewegung ist. Und ich vertraue ihm.

Fortsetzung folgt 🤍

Svjetlana Berger

Hi ich bin SVJETLANA, die ruhige, klare Stimme hinter MOJ Holistic Health – ich liebe es, Körper, Gesundheit und Mindset so zu entwirren, dass es klick macht, ein Lächeln entsteht und Menschen Lust bekommen auf mehr Lebensfreude, echte Gesundheit und ein bewusstes, selbstverbundenes Leben.

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